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Aktuelles vom Landesverband Niedersachsen

Niedersachsen: Artikel - 11.07.12

Offener Brief zu Fehlentwicklungen in der Gedenkstättenarbeit

Von: Sven Lüders

Mitteilungen Nr. 217 (Heft 2/2012), S. 30

(SL) Der diesjährige Preisträger des Fritz-Bauer-Preises der Humanistischen Union, Prof. Dr. Joachim Perels, hat sich mit einem Offenen Brief an den niedersächsischen Kultusminister gewandt. In dem Schreiben beklagt er gravierende Defizite in der Gedenkstättenarbeit des Landes, wodurch der gesetzliche Auftrag der Gedenkstättenarbeit verfehlt werde. Dieser bestehe u.a. darin, anhand der rechtsstaatlichen Aufarbeitung des NS-Regimes einen „Ort des Lernens für künftige Generationen“ zu  bieten und entsprechende wissenschaftliche Forschungen zu unterstützen.
Stein des Anstoßes war eine internationale Fachtagung zur rechtshistorischen Würdigung des sog. Lüneburger Prozesses, in dem gegen Josef Kramer (den Kommandanten von Auschwitz und Bergen-Belsen) und weitere Angeklagte verhandelt wurde. In dem Verfahren (September bis November 1945) wurde ein erster Weg zur Verurteilung von NS-Verbrechen auf der Basis des normierten Völkerrechts, der Haager Landkriegsordnung von 1907 und der Genfer Konvention von 1929 aufgewiesen. Das Lüneburger Verfahren war einer der ersten Versuche, die NS-Verbrechen mit den Mitteln des Rechts aufzuarbeiten. Die Geschäftsführung der Stiftung niedersächsischer Gedenkstätten hatte es kürzlich abgelehnt, eine Fachtagung zur rechtshistorischen Würdigung des Lüneburger Prozesses zu unterstützen.
Darüber hinaus kritisiert Perels die kritiklose Darstellung der Umwandlung des ehemaligen KZ-Geländes in Bergen-Belsen nach 1945. Nach dem Krieg war die Lagerarchitektur auf dem KZ-Gelände durch eine gezielte Umgestaltung zur Heidelandschaft getilgt worden. Mit dem Verschwinden der Lagerbauten sollte zugleich die Erinnerung an die Gewaltherrschaft des KZs ausgelöscht, die „Sensation Bergen-Belsen” eingegraben werden. Diese Manipulation des historischen Vermächtnisses werde in neueren Publikationen der Stiftung verharmlost und beschönigt.

Der vollständige Brief ist über die Online-Ausgabe der HU-Mitteilungen verfügbar oder kann in der HU-Geschäftsstelle bezogen werden.